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  Test 2004 - 04

 

 

 

Bericht von:    Berufsfeuerwehr Augsburg

Testfahrzeug: Griffon Hovercraft 380TD

 


 

   
   

 

Luftkissenfahrzeuge, eine Alternative für die Feuerwehr?

 

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft. In den letzten Jahren ist ein Fahrzeugtyp in den Blickpunkt der Feuerwehren und Katastrophenschutzeinheiten geraten, der nicht alltäglich ist: Hovercrafts oder auf deutsch Luftkissenfahrzeuge. Für Spezialaufgaben in schwierigem Gelände werden weltweit immer mehr Fahrzeuge dieser Art eingesetzt. Neben Anwendungen beim Militär, im Umweltschutz, zur Passagierbeförderung u. a. werden in Australien und Großbritannien inzwischen auch schon größere Einheiten im Rettungswesen eingesetzt. So war vor einigen Wochen in den Nachrichten zu hören, das an der englischen Nordwestküste auf Muschelbänken 18 Personen ums leben gekommen sind. 14 Personen konnten jedoch nur durch den Einsatz von Hovercrafts gerettet werden.

 

Das Grundprinzip eines Hovercrafts basiert auf einem kontrollierten Luftkissen, welches unter dem Fahrzeug aufgebaut wird. Da die meisten Entwicklungen auch für einen Einsatz auf dem Wasser konzipiert sind, besteht das Fahrzeug aus einem schwimmfähigen Bootsrumpf. Hieran sind seitlich große Luftkammern angebaut, ähnlich wie bei einem Schlauchboot. Zusammen mit daran befestigten Schürzen entsteht damit eine Kammer unter dem Rumpf, die das Luftkissen zuverlässig unter dem Fahrzeug hält. Diese aufwändige Konstruktion bietet den Vorteil doppelter Sicherheit, da zum einen die Luftkammern alleine die Konstruktion tragen können und zum anderen das Fahrzeug mit seinem Rumpf alleine ebenfalls schwimmfähig ist.

 

Aufgeblasen wird das Luftkissen mit einem dafür ausgelegten Ventilator. Der Vortrieb erfolgt dann über einen weiteren Ventilator am Fahrzeugheck. Hier zeigt sich dann auch schnell für welchen Zweck das Hovercraft gebaut wurde. In einfachen Ausführungen spart man den Aufwand für den zweiten Ventilator und teilt statt dessen den Luftstrom für das Luftkissen und den Vortrieb auf. Das bedeutet, dass Vortrieb und Luftkissen nicht unabhängig voneinander gesteuert werden können. Insbesondere bei Einsätzen auf fließenden Gewässern ist dies jedoch unerlässlich, will man das volle Leistungsspektrum dieses Fahrzeugtyps nutzen.

Die Dimension des Hovercrafts richtet sich in erster Linie nach dem gewünschten Einsatzzweck. Für den Freizeitbereich lassen sich schon sehr kleine und kostengünstige Versionen bauen. Unvergessen sind die großen Fähren über den Ärmelkanal, die eine Vielzahl von Passagieren transportieren können. Für den Rettungseinsatz erscheint ein Platzangebot für mindestens 4 Personen wünschenswert (1 Fahrer, 1 zu rettende Person, 2 Taucher oder Helfer). Damit ergibt sich eine zu fordernde Nutzlast von ca. 400 kg.

Am 28. April 2004 wurde in Augsburg ein solches Hovercraft von der Firma Griffon Hovercraft Ltd., Southhampton, England vorgeführt und von der Feuerwehr auf seine Verwendungsmöglichkeiten getestet. Dieses Fahrzeug ist mit zwei konventionellen Dieselmotoren ausgestattet. Für das Luftkissen 17 kW, für den Vortrieb ein 1,9 l TDI Motor von VW. Der Heckventilator wird mit einem Zahnriemengetriebe ohne Kupplung direkt von der Motorwelle angetrieben. Da die Achse des Luftkissenventilators im Winkel von 90° zur Motorachse steht, ist hier ein Kegelradgetriebe zwischengeschaltet. Geregelt wird der Vortrieb über einen Drehgasgriff wie bei einem Motorrad. Das Luftkissen wird mit einem Kraftstoffregler wie bei einem Rasenmäher eingestellt. Die Lenkung erfolgt über Bowdenzüge und die hinter dem Heckventilator montierten Luftleitbleche.

Das Hovercraft Griffon 380 TD in Zahlen:

Länge: 6,60 m

Breite: 3,40 m

Höhe: 2,25 m

Personen: 5

zusätzl. Zuladung: 300 kg

Geschwindigkeit: 25 Knoten

Wellenhöhe: 0,60 m

Bodenfreiheit unter dem Fahrzeug: 0,28 m

 

Durch die Abstimmung der Lüfterdrehzahlen und die Anstellung der Luftleitbleche, kann das Hovercraft in die gewünschte Richtung mit der nötigen Geschwindigkeit gesteuert werden. Rückwärts fahren ist nicht möglich, jedoch auch nicht erforderlich, da das Luftkissenboot auf der Stelle drehen kann. Ebenso kann der Vorschub bei Rettungsarbeiten ganz abgestellt werden. Bei stehenden Gewässern ist es möglich auch das Luftkissen abzustellen und damit die Arbeitshöhe zum hereinziehen einer Person deutlich zu reduzieren. Bei entsprechender Strömung empfiehlt es sich, das Luftkissen aufrecht zu erhalten. In diesem Fall wird das Fahrzeug nur geringfügig durch die Schürze an der Wasseroberfläche mitgeschleppt. Dies kann dann auch noch durch die Einstellung des Vorschubes ausgeglichen werden. Damit ist auch schon ein besonderer Einsatzfall für Hovercrafts beschrieben: Menschrettungen in Gewässern mit stärkerer Strömung. In diesen ist eine Rettung mit Tauchern nicht vorstellbar. Die Kraft der Strömung, Treibgut, Wellenschlag, Hindernisse und Wehranlagen bedeuten eine akute Lebensgefahr auch für die Retter. Nur von der sicheren Plattform eines Hovercrafts ist eine Rettungsaktion mit kalkulierbaren Risiken vorstellbar.

Ein weiterer Einsatzschwerpunkt für Luftkissenboote ist in Bereichen denkbar, in denen Boote aufgrund geringer oder unregelmäßiger Wassertiefe nicht zum Einsatz kommen können. Die ist z. B. in Augsburg im Bereich des Lechs oder der Wertach der Fall. Hier kann das Hovercraft mit seiner Bodenfreiheit von 28 cm völlig problemlos sowohl über fließendes Wasser, wie auch Kiesbänke fahren.

Ein grundsätzliches Problem stellt jedoch die Zugänglichkeit zu einem Gewässer dar. Ein Motorboot auf einem Anhänger benötigt eine Slipstelle, die ein leichtes manövrieren des Anhängers erlaubt; das Luftkissenboot eine relativ ebene Fläche, deren Steigung nicht viel mehr als 10% betragen sollte. Bei einem Hochwassereinsatz stellt sich in der Regel dieses Problem nicht, da dann auch mit überfluteten Straßen gerechnet werden muss, die für diesen Zweck sehr gut geeignet sind. Dort abgesetzt spielt das Hovercraft dann gegenüber einem Boot seine Vorteile voll aus. Es ist keine Mindestwassertiefe erforderlich und die Fahrt kann sofort aufgenommen werden. Mit einem großen Aktionsradius (Betriebszeit ca. 6 Std.) ist es möglich auch zu abgelegeneren Orten zu fahren. Kleinere Hindernisse wie Zaunpfähle, Treibgut u.a. werden mühelos überwunden. Ebenso ist es problemlos möglich gegen oder quer zur Strömung zu fahren. Ein Boot erreicht hier schnell seine Leistungsgrenzen. Da das Luftkissenboot auch über fließenden Gewässern stehen bleiben kann, gibt es auch keine Schwierigkeiten bei der Annäherung an Häuser. Die Bewohner können nahezu gefahrlos übersteigen.

Während der Vorführung wurde wiederholt diskutiert, was mit einer Person im Wasser geschieht, wenn das Hovercraft nicht rechtzeitig zum stehen kommt. Im Gegensatz zu einem Motorboot gibt es unter dem Fahrzeugboden keine beweglichen Teile. Es ist nicht einmal möglich, dass sich die Person den Kopf am Rumpf anschlägt, da sich dieser über dem Luftkissen befindet. Lediglich die Textilschürzen können die Person treffen, was mit einem nassen Handtuch vergleichbar ist. Auch in diesem Punkt bietet das Hovercraft günstigere Sicherheitsmerkmale wie ein Boot. Als nachteilig erweist sich die Höhe der Bordwand. Hier unterstützen jedoch die weichen Luftkammern am Bootsrand das hereinziehen einer Person.

Die Wasserrettung im Winter ist immer ein besonders schwieriger Fall. Trägt das Eis, können sich die Retter vielleicht noch recht gut dem Ertrinkenden nähern. Aber selbst dann bleibt noch ein nicht unerhebliches Transportproblem. In allen Zweifelsfällen zur Tragfähigkeit des Eises, oder bei größeren, offenen Stellen, riskieren die Taucher immer auch selbst unter das Eis zu geraten. Da die üblichen Motorboote nicht als Eisbrecher ausgelegt sind scheitert ihr Einsatz meist schon bei sehr dünnen Eisdecken. Da ein Hovercraft immer auf seinem Luftkissen gleitet spielt, diese Frage hier keine Rolle. Gefahrlos können alle Flächen auf einem zugefrorenen Gewässer erreicht werden. Im weiteren bestehen schon an Bord gute Versorgungsmöglichkeiten für den Patienten und es müssen keine neuen Risiken beim Transport eingegangen werden. Die gute alte Steckleiter zur Lastverteilung auf dem Eis wirkt dagegen wie ein Anachronismus.

Ist für einen Einsatz nicht die volle Manövrierbarkeit erforderlich, kann die Zuladung sogar noch weiter erhöht werden. So ist es möglich auch in sehr unwegsamen Gelände Sandsäcke an einen schadhaften Deich zu bringen um die Muskelkraft der Helfer für wichtigere Arbeiten zu schonen.

Für den Transport zur Einsatzstelle sind verschiedene Varianten denkbar. Zum einen könnte das Hovercraft auf einem Abrollbehälter verladen werden, oder aber mit einem Ladekran auf einen normalen LKW. Zum anderen wurden bereits Anhänger realisiert, von dem aus das Hovercraft direkt starten kann. Die große Breite kann durch Ablassen der Luftkammer auf ein straßentaugliches Maß reduziert werden. Für schnelle Menschenrettungen könnten diese mit Pressluft kurzfristig aufgeblasen werden, sodass sich hieraus kein Zeitverzug ergibt.

Leider ist der Preis eines professionellen Fahrzeuges mit fast 100.000 € noch recht hoch. Auf der anderen Seite bemüht sich der Verein HOVER-RESCUE Deutschland e. V. darum, mit Spendengeldern die Anschaffung solcher Fahrzeuge zu realisieren. Betrachtet man jedoch das gesamte Einsatzspektrum eines Hovercraft, so muss man feststellen, dass es zum Teil noch Einsatzlagen und –orte gibt, die wir mir heutigen Mitteln gar nicht erreichen können. Darüber hinaus sind im Spektrum der heutigen Möglichkeiten mit einem Luftkissenboot deutliche Verbesserungen möglich. Ein Hovercraft stellt also keinen Ersatz heutiger Technik dar, sondern wäre eine sinnvolle Ergänzung.

 


 

 

 

 

 

 

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